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Saif al-Islam Kaddáfí in Zintan erschossen: Ende des umstrittenen Erben des libyschen Regimes
© AKTU.cz, Jiří Forman Saif al-Islam Kaddafi, Sohn des einstigen libyschen Diktators Muammar Kaddafi, wurde am 3. Februar 2026 in seinem Privatgarten in der Stadt Zintan erschossen. Die Angreifer schalteten vor der Tat die Überwachungskameras aus, feuerten am Tatort mehrere Schüsse ab und flohen anschließend, wobei die libyschen Behörden von einer gezielten Tötung einer der markantesten und zugleich umstrittensten Persönlichkeiten des nachkriegszeitlichen Libyens sprechen.
Saif al-Islam Kaddafi, der Sohn des gestürzten libyschen Diktators Muammar Kaddafi, wurde am 3. Februar 2026 in seinem Garten in der Stadt Zintan erschossen, wo er sich längere Zeit unter dem Schutz lokaler bewaffneter Gruppen aufgehalten hatte. Nach ersten Informationen haben vier bislang nicht identifizierte Bewaffnete ihn angegriffen, die vor der Tat die Sicherheitskameras außer Betrieb gesetzt und nach dem Mord den Ort verlassen hatten. Libysche Behörden bezeichnen den Vorfall als gezielte Liquidierung einer prominenten und zugleich sehr umstrittenen Figur des Nachkriegs-Lybiens.

Sajf Islám Direkt aus den Kämpfen nahe der Stadt Zintan zwischen Aufständischen und Kaddafi-Einheiten berichtete 2011 der AKTU.cz-Reporter Jiří Forman
Ende des Mannes, der der „zweite Kaddafi“ hätte sein sollen
Saif al-Islam galt lange Jahre als Kronprinz des Regimes und als möglicher Reformer, der dem Westen ein „gemäßigtes Gesicht“ der autoritären Herrschaft in Tripolis anbieten sollte. Nach Ausbruch des Aufstands 2011 wurde er jedoch zu einem der Hauptverfechter eines harten Vorgehens gegen Demonstranten, und internationale Gerichte beschuldigten ihn der Beteiligung an Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Nach dem Sturz des Regimes wurde er von Milizen in Zintan gefangen genommen, außerhalb der Reichweite der Zentralregierung festgehalten, und die libysche Justiz verurteilte ihn 2015 in Abwesenheit zum Tode, der damals jedoch nicht vollstreckt wurde.
Die politische Rückkehr, die nicht stattfand
In den folgenden Jahren versuchte Saif al-Islam eine politische Rückkehr, stellte sich als Beschützer des „Kaddafi‑Erbes“ dar und deutete Ambitionen an, bei den Präsidentschaftswahlen zu kandidieren. Gleichzeitig wurde er zum Symbol der anhaltenden Fragmentierung Libyens – seine Person spaltete Gesellschaft und bewaffnete Fraktionen, die darüber stritten, ob er vor einem internationalen Gericht stehen oder ausschließlich im Inland verurteilt werden sollte. Der Mord beendete damit die Möglichkeit, dass Saif al-Islam zu einem der Hauptakteure einer möglichen politischen Versöhnung oder umgekehrt eines neuen autoritären Projekts im Land hätte werden können.
Auswirkungen auf Libyen
Der Tod von Saif al-Islam kann die Spannungen zwischen den einzelnen Fraktionen weiter verschärfen, die mit ihm entweder ihre Hoffnungen verbanden oder ihn hingegen als Symbol früherer Repressionen betrachteten. Für die Familien der Opfer des Kaddafi‑Regimes wie auch für internationale Gerichte fällt zugleich endgültig die Möglichkeit weg, dass er jemals persönlich vor einem Tribunal gestanden und für die Ereignisse von 2011 Rechenschaft abgelegt hätte. In Libyen, das nach wie vor mit zersplitterter Macht und schwachen Institutionen zu kämpfen hat, schließt sich damit ein Kapitel, ohne klare Gerechtigkeit oder Versöhnung zu bringen.